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Der Begriff Kurzgeschichte bezeichnet heute eine kürzere epische Form, leicht überschaubar, in einem Zug zu lesen und deshalb selten länger als fünf Druckseiten. Die Kurzgeschichte ist ein Ausschnitt aus einem Geschehen, vielleicht ein entscheidender Lebensausschnitt. Die handelnden Figuren werden nur gezeigt und nicht entwickelt. Die kurzgefasste Mitteilung eines bedeutsamen Geschehens muss aussparen und raffen und sich ganz auf Wesentliches beschränken. Einleitung, kommentierende Passagen und zusammenfassende oder moralisierende Schlussbetrachtungen entfallen. Gegeben wird lediglich eine Situation, in realistischer, gelegentlich sogar dokumentarisch anmutender Form. In der Kurzgeschichte werden oft Situationen geschildert, in denen man das Gefühl der Unsicherheit und Ratlosigkeit hat. Das Problem wird nicht geklärt, die Brücke zur Lösung meistens nicht geschlagen. Die Kurzgeschichte gibt dem Leser alles, was nötig ist, um sich in die Situation hinein zu versetzen. Dann lässt sie ihn stehen mit dem Bewusstsein, dass hier etwas aufgebrochen ist, dem er selbst sich zu stellen hat. Diese Betroffenheit wird auch dadurch erreicht, dass Höhepunkt und Schluss der Kurzgeschichte nicht selten zusammenfallen. Die Sprache der Kurzgeschichte ist einfach, sachlich und grenzt oft ans Alltägliche, Gewöhnliche, ohne banal zu sein. Die Kurzgeschichte erfordert aufmerksames Lesen und konzentriertes Beobachten. Jede Einzelheit und jede Nuance ist wichtig. Aufgrund der Offenheit gewinnt der Text nicht selten den Reiz des Rätsels, dessen Lösung der Leser selbst erbringen muss.
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